An mir ist keine große Feministin verloren gegangen. Warum? Ich denke das liegt an meiner Erziehung. Meine Eltern haben mich neutral erzogen, ich habe ebenso mit Barbies gespielt, wie mit Lego Technik und den Jungs auf der Straße. Ich habe nie ansatzweise darüber nachgedacht, dass ich in irgendeinem Bereich Jungs gegenüber benachteiligt sein könnte. Ich habe in meinen männerlastigen Jobs immer das Gleiche verdient wie jeder Mann auch und Männer, mit denen ich zusammen war, haben mich immer gleichberechtigt behandelt. Hitzige Diskussionen unter Feministinnen habe ich mit einer Mischung aus Verwunderung und Belustigung verfolgt, so fern war dieser Gedanke meiner Welt.

In die Nesseln gesetzt

Mit dem Spruch „Veganer ist ein altes indianisches Wort für den, der auf deine Frau aufpasst, während dein Mann jagen geht“, den ich letztens über Social Media gepostet hatte, bin ich sogar richtig in die Nesseln gelaufen – die Aussage sei „gender diskrimierend“. Ich wurde auf die Diskussion aufmerksam gemacht, in der genau dieser Spruch Jerome Eckheimer richtig Probleme verursacht hat. Ich habe darum kurzerhand den Text in „Partner“ abgewandelt, damit ich keine Feministin damit verletze:

Ich selber hätte niemals Anstoß an diesem Spruch genommen, da für mich der satirische Gedanke im Vordergrund steht.

In einem Punkt allerdings bin auch ich auf die Geschlechtertrennung hineingefallen, und zwar in punkto BH!

In meinen jüngeren Jahren habe ich nie BHs getragen. Erstens hatte ich es mit meinem B-Körbchen nie nötig und zweitens fand ich die Teile schon immer unbequem. Ich habe ausgeprägte Rippenbögen und BHs drücken mich nach einigen Stunden meist so sehr, dass ich Magenschmerzen bekomme. Im Schulsport prophezeiten meine Klassenkameradinnen mir zukünftig hängende Brüste.

Alles noch da, wo’s hingehört

Nun, ich muss euch enttäuschen Mädels: Ich bin nun 40 und sie stehen immer noch wie eine eins. Meine frühe Theorie, dass alles, was man zuviel unterstützt, sei es nun Augen mit einer Brille oder Brüste mit einem Büstenhalter, sich irgendwann nicht mehr selbst helfen kann, wird mittlerweile wissenschaftlich unterstützt.

So sagt z. B. der Sportmediziner Jean-Denis Rouillo nach einer Langzeitstudie, dass bei kleineren Körbchengrößen „die Brüste ohne BH nicht erschlaffen. Im Gegenteil: Das Muskelgewebe straffte sich und wurde fester, die Trägerinnen hatten keine Rückenschmerzen mehr und bekamen besser Luft, und teilweise hob sich der Busen sogar an.“ (Quelle). Hah! Wasser auf meine Mühlen..

Warum BH?

Warum aber trage ich nun mittlerweile doch BH, zumindest auf der Arbeit? Angefangen hat alles, als ich von meiner Selbständigkeit in eine Festanstellung gewechselt bin. Es gab da einen Kollegen, der mich ein bisschen zu aufmerksam beobachtete und mich mehrmals fragte, ob mir „kalt“ sei. Dazu kam mein ehemaliger Partner, dessen katholische Kleinstadt Erziehung dazu führte, dass er mit mir ohne BH nicht mehr auf die Straße gehen wollte. Ich fing an, mich ohne BH nackt zu fühlen. Und erst nachdem die großen Diskussionen um die Flüchtlingskrise und die Traditionen von Muslimen aufkamen, kam mir das zu Bewusstsein:

Viele verurteilen oder belächeln muslimische Frauen dafür, Ihre Haare und ihre Haut zu verstecken, damit sie Männer nicht erregen. Gleichzeitig verstecken wir aber unsere genauso naturgegebenen Igelschnäuzchen, um damit keine sexuelle Aufmerksamkeit zu erregen – und niemandem scheint dieses Paradoxon aufzufallen.

Tragen wir gerne BHs?

Natürlich gibt es Frauen, die BHs gerne tragen oder tragen müssen. Weil sie die Brust größer faken oder die Form ändern wollen oder weil die Brust einfach zu schwer ist. Aber jede Frau die ich kenne – und ich habe in den letzten Tagen einige in meinem Umfeld dazu befragt – trägt BH AUCH aus dem einen weiteren Grund: Verstecken eines Körperteils, dass Männer ganz offen zeigen dürfen. Warum eigentlich? Viele Männer sind an den Brüsten genauso sensibel wie Frauen- wer sagt denn, dass mich Männernippel in engem Hemden oder Shirts nicht genauso erregen? Tragen Männer deswegen jetzt einen BH? Nein!

Was das Ganze nun mit veganem Lifestyle zu tun hatte? Naja, nicht allzu viel. Aber ich wollte das mal loswerden. Und außerdem bedeutet vegan leben ja auch irgendwie natürlich leben 🙂

Free Your Oberweite!

Und darum rufe ich dazu auf: Tragt einen BH nur wenn ihr Lust drauf habt! Zieht ihn zu Hause aus wann immer möglich. Und steht zu diesem ganz natürlichen Körperteil, auch wenn euch kalt ist und auch wenn es Männer erregt. Ist ja nicht euer Problem! Wie seht ihr das?

bralessandflawless