30 Jahre Lana – Blogger-Treffen zum Jubiläum

30 Jahre Lana – Blogger-Treffen zum Jubiläum
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Wir hatten Euch ja schon nach der Innatex versprochen, dass wir noch etwas ausführlicher über das Unternehmen Lana berichten wollen. Jetzt ist es endlich soweit. Am 22. September waren wir in Aachen und durften hinter die Kulissen des sympathischen Familienunternehmens schauen.

Blogger Event bei Lana

Blogger-Event im Lana-Showroom

Lana befindet sich im Industriegebiet von Aachen in alten Fabrikhallen mit sehr viel Charme. Für den Blogger Event und die Feierlichkeiten zum 30. Jubiläum wurde in leerstehenden Räumlichkeiten ein Pop-Up Show-Room hergerichtet – so gemütlich, als wäre er schon immer so da gewesen. Hier fand nicht nur unser Blogger-Event statt, wir konnten uns auch die aktuelle Herbst/Winter-Kollektion und die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2018 anschauen, anfassen, anfühlen und – ganz wichtig – anprobieren.

Wir, das waren neben uns noch Kim von Kim goes eko, Julia und Anna von Subvoyage, Rosi von Green Looks Great, Ann-Kathrin von Einfach Grünlich, Laura von The OGNC und Vanessa von Green4Family – weitere Kontakte fehlen mir leider. Schreibt, damit wir Euch verlinken können! Außerdem die Fotografin Lena Scherer, die uns später noch ins rechte Licht rückte.

Blogger Event bei Lana

Lana – Ein echtes Familienunternehmen

Der Tag vor Ort begann mit einer netten Begrüßung durch Anne und Hermann Kohnen und Tochter Maria, die schon fest ins Familienunternehmen eingebunden ist und uns anschließend durch das Gelände geführt hat. Nach der Begüßung ging es direkt ins Herz von Lana – das kreative Zentrum, die Schneiderei und das Lager. Die schiere Masse an Kleidung und Materialien und die unglaubliche Ordnung, die trotz der Masse in dem Lager herrscht, hat uns schwer beeindruckt. An Moodboards zeigte uns Maria Ideen zu den Kollektionen Lana und Minu.

Hier ist tatsächlich noch so ziemlich alles unter einem Dach. Während die Materialien größtenteils aus dem europäischen Ausland stammen, wird in Aachen von Anne und Maria Kohnen entworfen. Hier entstehen die Muster für die Kollektion, gefertigt wird dann wieder in den Produktionsstädten, die ihr auf dem Schaubild unten seht – alles selbstverständlich fair und nachhaltig und mit dem GOTS Siegel versehen.

Schneidereien in Europa für Lana

Auch der Vertrieb liegt in den Aachener Händen – wie Hermann Kohnen erwähnt, hauptsächlich an inhabergeführte Geschäfte und den Online-Handel. Lana hat auch einen eigenen Online-Shop, der kontinuierlich ausgebaut wird und gerade ein ganz neues Gesicht erhält.

Gründung 1987

Gegründet wurde Lana 1987 – aus der Not raus, wie uns Hermann Kohnen sympathisch und ohne zu schönen erzählt. Schon früh kam bei ihm und seiner Frau – beide hatten so rein gar nichts mit der Textil-Branche am Hut – der Wunsch nach nachhaltiger, ökologisch und fair produzierter Mode auf – vor allem für ihre Kinder, die sie nicht den Giften aussetzen wollten, die damals (und auch heute noch!) zu Hauf in der Textilproduktion verwendet wurden.

Außerdem waren ihnen die Produktionsbedingungen in der Textilbranche ein Dorn im Auge. Auch hier hieß es: Das muss auch anders gehen. Das wollen wir so auf gar keinen Fall.

30 Jahre Lana

Der Rattenschwanz konventioneller Baumwolle

Baumwolle wurde früher hauptsächlich handgepflückt, da sie unterschiedlich abreift. Bei einer maschinellen Ernte kommen unreife und überreife Baumwollkapseln zusammen, was die Qualität mindert. Um dennoch maschinell ernten zu können, züchtete man die Baumwolle hoch, so dass eine einzige Ernte mit hohem Ertrag möglich war. Zur Erleichterung des maschinellen Aberntens wurde Entlaubungsmittel (ja genau, sowas wie Agent Orange, das hat man auch damals während des Vietnamkriegs verwendet…) gespritzt. Auch heute noch wird dieses Verfahren in einigen Anbaugebieten zur maschinellen Ernte von Baumwolle angewendet.

Auch in der Kritik steht der hohe Wasserverbrauch konventioneller Anbaumethoden. Bekannt wurde die Wasserproblematik durch den großflächigen Anbau rund um den Aralsee in den 60er Jahren – einst der viertgrößte See der Erde, heute so gut wie verschwunden. Da es sich beim Baumwoll-Anbau meist um riesige Monokulturen handelt, ist hier vor allem der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern besonders hoch – so hoch wie bei keinem anderen landwirtschaftlichen Produkt.

Baumwolle wurde mit Formaldehyd haltbar und resistent gemacht. Farbstoffe enthalten Gifte – natürliche Farbstoffe gab es zu dieser Zeit kaum auf dem Markt. Es war Zeit für eine Revolution.

Nachhaltigkeit bei Lana

Start mit Kinder-Kollektion

Tatsächlich fing alles damit an, dass Anne Kohnen Windeln und Pullover selbst strickte. Aus dieser Leidenschaft entstand das Unternehmen Lana – zuerst mit einer Linie rein für Kinder. Es ist wirklich unglaublich, welche Leidenschaft das Ehepaar Kohnen in Lana steckt und trotz vieler Rückschläge – seien es Hindernisse in der Produktion, Probleme bei der Vielfalt der Öko-Labels oder einfach Kollektionen, die mangels Abnehmer scheiterten – seit 30 Jahren so erfolgreich den deutschen Markt bereichert und in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit geleistet hat. Sie kämpften für ihr Baby, klapperten Messen ab und versuchten alles – in Zeiten, in denen Internet noch ein Fremdwort war – Lana bekannt zu machen.

Hermann Kohnen:
1990 fand die erste Biofach in Ludwigshafen statt und wir dachten: Da müssen wir hin! Damals haben die Leute noch im Schlafsack hinter ihrem Stand geschlafen. Das war alles noch ganz klein und neu.

Mittlerweile gibt es vier große Kollektionen von Lana: Minu, Lana, Rosalie und Kids – daneben noch Baby Basic und Babs mit Kuscheltieren und Accessoires für Kinder. Jedes Teil von Lana ist GOTS-zertifiziert, in Deutschland von Anne und Maria Kohnen entworfen und in Europa produziert. Aus dem kleinen Aachener Unternehmen ist ein großes Label gewachsen, das zuletzt auf der Ethical Fashion Show im Rahmen der Fashion Week in Berlin große Erfolge feierte.

Einsatz für die, die keiner hört

Wer so viel Erfolg hat, der möchte etwas zurück geben. Die Familie Kohnen beziehugnsweise ihr Unternehmen Lana tut dies, indem sie helfen den Schaden, den die konventionelle Textilproduktion anrichtet, wieder gut zu machen. Hierzu war Catrin Hauk von Missio in unserer Runde und berichtet von den Bemühungen der Schwestern von Missio in Kambodscha und deren Hilfe am Kern des Problems.

Catrin Hauk von Missio

In Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh befinden sich insgesamt circa 500 Bekleidungsfabriken mit bis zu 600.000 Mitarbeitern auf engstem Raum. 90% der Arbeiter sind Frauen, darunter trotz Verboten auch Kinder und Jugendliche, die unter menschenunwürdigen Bedingungen und für einen Hungerlohn bis zu 70 Stunden die Woche arbeiten müssen, um auch nur annähernd genug für den Lebensunterhalt zu verdienen. Die Frauen können sich durch die langen Arbeitszeiten nicht mehr um ihre Kinder kümmern. Die Kinder werden teilweise weggesperrt, damit sie nicht in die Hände von Kinderhändlern fallen.

Hierzulande sind vor allem die Fabriken in Indien ein Begriff, Kambodscha hat so richtig keiner auf dem Schirm, weil Kambodscha weniger durch die Medien geistert, dabei produzieren einige der ganz großen Textilhersteller (H&M, GAP, Adidas, Puma) bereits dort, da in Kambodscha im Moment die Löhne am niedrigsten sind.

Missio hilft – quasi undercover

Wenn Catrin Hauk von den dortigen Zuständen erzählt, treibt es einem die Tränen in die Augen. Vor Ort zu helfen ist keine einfache Sache. Die Ordensfrauen von Missio – einer katholischen weltweit fungierenden Hilfsorganisation – müssen ein Hintertürchen benutzen. In die Fabriken dürfen sie nicht rein.

Catrin Hauk:
Die Schwestern stehen vor den Fabriken und kochen Mittagessen für die Näherinnen, um so mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ihnen eine neue Perspektive zu bieten.

Also fangen sie die Näherinnen außerhalb, zum Beispiel während Mittagspause oder nach der Arbeit ab und bieten ihnen eine neue Perspektive in Form von Ausbildung an. Missio bildet die Frauen zu Lehrerinnen aus und bietet ihnen eine Zukunft innerhalb der Organisation. Sie erhalten faire Löhne und ein Leben in Würde. Sie können sich um ihre Kinder kümmern und die wiederum können im Missio-Dorf zur Schule gehen. Ihre Kinder werden in dem Dorf auch mit Nahrungsmitteln und Getränken versorgt.

Lana hilft Missio in Kambodscha

Lana unterstützt Missio finanziell. 50 Cent pro verkauften Baby-Artikels der Baby Basic Line kommt dem Lindalva Zentrum von Missio in Kambodscha zugute.

Doch so lange große Textilfirmen weiterhin in Billiglohnländern in Massen produzieren, wird sich an den Zuständen nichts ändern. Und so lange wir als Kunden Kleidung als billige Wegwerfware betrachten und nicht bereit sind, mehr für gute Qualität zu zahlen, werden die Menschen in diesen Ländern weiter ausgebeutet werden – denn das hier ist ein Kreislauf, den eigentlich nur wir als Konsumenten beenden können. Vielleicht beim nächsten H&M-Besuch mal drüber nachdenken, welchen Preis das 5-Euro-Shirt in Wirklichkeit hat und welches Leid dahinter steckt!

GOTS – Ein Siegel, das alles abdeckt

Wenn man wie wir in der grünen Blase schwebt, ist vieles selbstverständlich. So auch das GOTS (Global Organic Textile Standard) Siegel, das alle Lana-Produkte besitzen. Dass es das Siegel erst seit 2006 gibt und dass davor ein Dschungel von Kennzeichnungen kursierte, das wissen viele heute nicht mehr.

Heike Schauer vom IVN

Heike Scheuer vom IVN (Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft) setzt sich für die Kennzeichnungen Grüner Mode ein. Sie erklärt, dass GOTS ein Siegel ist, das alles abdeckt: Nachhaltigkeit in der Produktion des Bio-Textils, Verzicht auf Pestizide und andere Gifte und die sozialen Aspekte der Produktion. Die Kriterien von GOTS ziehen sich durch die komplette Produktionskette des Textils und sind immens schwer zu überprüfen, wie uns Heike Scheuer erzählt.

Sie selbst schaut sich teilweise vor Ort zum Beispiel in Indien die großen Textilfabriken an – die Zusammenarbeit wird durch das dortige System erschwert. Man muss sich innerhalb des Unternehmens „von oben nach unten“ durchfragen, da der Chef von oben oft nicht weiß, was die nächste Station macht. Erst wenn jede Stelle geprüft wurde, kann ein Betrieb ein GOTS Siegel erhalten.

Shooting der Kollektionen mit Lena Scherer

Am Nachmittags ging’s dann rund. Wir durften uns auf die Samples der Kollektionen stürzen und anprobieren. Lena Scherer hatte ein Setting für ein Shooting aufgebaut und lichtete eine nach der anderen ab. Die Fotos bekommen wir leider erst später, hier aber schon mal ein paar Eindrücke… Es hat riesigen Spaß gemacht und es war wirklich für alles gesorgt – sogar Make-up von Santé lag bereit!

Partystimmung

Gefeiert bis zum Umfallen wurde am Abend bei der offiziellen 30-Jahre-Lana-Party im Show-Room. Bei Musik und Leckereien ließen wir den Abend mit netten Gesprächen in Aachen ausklingen und machten uns auf den Heimweg nach Mainz.

Abschließen lässt sich sagen, dass wir einen sehr inspirierenden und wahnsinnig interessanten Tag bei Lana hatten. Die Familie Kohnen ist uns richtig ans Herz gewachsen und wir werden diesen Tag in Aachen so schnell nicht vergessen. VIELEN DANK!

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by Sonja

Nadine und ich sind seit über 30 Jahren befreundet und sie hat mich mit dem "bösen Vegan-Virus" infiziert ;-) Seit längerem blogge ich nun für TerraVeggia und schiesse viele der Fotos, die ihr hier seht. Ich bin verheiratet, habe 2 zuckersüße Jungs und nebenbei auch noch einen richtigen Job, deshalb bleibt nicht immer viel Zeit. Aber wie heißt es so schön, wenn etwas Spaß macht, schafft man dafür immer Zeit!

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