Einmal nachhaltig einkleiden, bitte!?

Einmal nachhaltig einkleiden, bitte!?
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Meinung(en)

Ich stehe vor beziehungsweise in meinem prall gefüllten Kleiderschrank und werde förmlich erschlagen ob der Menge an Kleidung. Nein, ich habe keine Kaufsucht, auch wenn mein Mann jetzt bestimmt gegenteiliges behaupten wird. Ich bin 42 Jahre alt, habe zwei Schwangerschaften hinter mir und damit eine Ansammlung von Klamotten in mindestens drei verschiedenen Größen – für jede Figur ist was dabei. Selten trenne ich mich von Kleiderstücken, meistens nur dann, wenn sie wirklich vollkommen durch und nicht mehr tragbar sind. Selbst Fehlkäufe tummeln sich Jahre auf den Bügeln. Bei Schuhen auch gerne die Kategorie: Sehen geil aus, sind aber völlig untragbar oder nur stehend für ca. 5 Minuten bequem. Aber im Regal sind sie soooo schööön!

Nachhaltig bestückter Kleiderschrank

Schrank nachhaltig entleeren und füllen

Da mit zwei Kindern unsere Familienplanung abgeschlossen ist, ich jetzt wieder meine alte Figur habe, mit der ich auch sehr happy bin, ist es Zeit, auszumisten. Sprich, ich habe wieder Platz im Schrank, den ich mit sinnvoller Kleidung füllen möchte. Seit über zwei Jahren beschäftige ich mich mit den Themen vegan, nachhaltig und fair, vor allem auch im Bereich der Kleidung. Ich habe nie Pelz getragen und auch Leder nur in Schuhform oder als Patch an der Hose. Aber bei der Nachhaltigkeit hapert es gewaltig!

Bei den Kindern habe ich von Geburt an viel mehr auf deren Kleidung geachtet. Viel Second Hand gekauft, da hier Schadstoffe schon ausgewaschen sind. Für die Kids kenne ich jedes Organic Label und jeden Kindersachenbasar in der Umgebung. Warum hat das bei mir so lange gedauert? Die letzten acht Jahre drehte sich bei mir alles um Schwangerschaft und Kinder. Da kriegt man einen regelrechten Tunnelblick. Klamotten mussten vor allem bequem und gut zu waschen sein.

Randvoll - nicht ganz nachhaltig

Hallo?! Ja, mich gibt es auch noch!

Irgendwann, wenn so langsam wieder Normalität einzieht, verschiebt sich die Sichtweise. Man sieht sich selbst wieder und merkt, dass man sich ganz schön vernachlässigt hat. Bei mir ging das vor zwei Jahren los, dass ich angefangen habe, wieder mehr für mich zu tun. Auch was die Kleidung angeht. Das ist ja eigentlich immer so’n bisschen oberflächlich, aber trägt doch auch sehr zum inneren Wohlbefinden bei. Und irgendwie drückt man sich ja auch mit Kleidung aus und hat somit eine Wirkung auf andere Menschen. Das kann einem völlig wurscht sein. Mir isses nicht ganz wurscht.

Der erste große Schritt waren Schuhe und Handtaschen. Einen Teil habe ich verkauft, den, an dem das Herzchen hängt, aber noch behalten. Nachdem ich gesehen habe, wie toll das Angebot an veganen Schuhen (ich sag nur Beyond Skin – WOW!!!) und Taschen ist, fiel da der Schalter von heut auf morgen um. Der Schritt war super easy, das einzige, was ein bisschen nervt ist, dass ich nicht einfach in den nächsten Laden marschieren kann und fast alle Einkäufe online tätigen muss. Läden für vegane Schuhe gibt es bei uns in Mainz leider noch keine, aber wenigstens kann man zum Beispiel bei jas.slowfashion mittlerweile einige Modelle von Wills Vegan kaufen.

Nicht mehr „dufte“ sondern „arschgeil“

Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto mehr wurde mir bewusst, dass nachhaltige Kleidung nichts mehr mit dem alten Öko-Image zu tun hat. Ganz im Gegenteil, Öko ist mittlerweile sehr cool und stylish und für mich super tragbar.

Nadine und ich haben uns schon immer gegenseitig angestachelt, wenn’s um Klamotten geht. Wir sind schon als Teenies gerne zusammen shoppen gegangen. Jetzt machen wir das meistens online – traurig, aber zeitlich ist es selten möglich. Wir stacheln uns aber nicht minder an und schicken uns ständig Neuentdeckungen und neue Lieblingsteile. Stück für Stück entdecke ich nun neue Labels und freue mich wie ein kleines Kind über jedes Teil, das in meinem Schrank Platz findet. Immer mit Bedacht ausgesucht. Auch in Mainz gibt es mittlerweile viele tolle Geschäfte mit nachhaltiger Mode.

nachhaltige Kleidung

„Der Stuhl“ – wer kennt ihn nicht!

Was ist nachhaltig?

Bedeutet nachhaltig denn unbedingt nachhaltig produziert und somit neu? Was ist nachhaltig? Letztendlich ist nichts nachhaltiger als Second Hand zu kaufen. Diese Sachen sind ja bereits produziert. Statt als Müll in der Tonne zu landen, werden sie wieder getragen. Im Prinzip ist es doch so: Nur weil es mir nicht mehr gefällt heißt das nicht, dass es Dir oder Dir oder Dir auch nicht gefällt. Und so entsteht ein Kreislauf für Kleidung, der nachhaltiger nicht sein kann!

Mit all diesem Input im Hinterkopf miste ich nun seit längerem meinen Kleiderschrank aus. Trenne mich von Sachen, die überhaupt nicht mehr passen beziehungsweise nicht mehr zu mir passen und versuche diese zu spenden oder zu verkaufen. Da ich gerne nähe, hebe ich manche Stücke auch noch mit dem Hintergedanken auf, dass ich daraus was neues nähen kann. Aus dem Kleiderschrank fliegen sie aber raus. Einige Sachen wandern tatsächlich wieder in die „1. Reihe“ – das sind dann Teile, die es zum Beispiel von den 90ern bis heute geschafft haben und wieder tragbar sind.

nachhaltige Kleidung

Ran an den Schrank

Man kann einen Kleiderschrank nicht komplett austauschen und das will ich auch gar nicht. Ich mag meine Klamotten, auch wenn ein großer Teil nicht nachhaltig produziert wurde. Ist halt so. Auch vegan ist da selbstverständlich nicht alles. Aber ich werde mich hüten in Aktionismus auszubrechen und ebay mit Angeboten zu fluten. Was noch gut ist, bleibt drin.

Warum muss ich gerade an diese großartige Szene aus SEX AND THE CITY denken, als Carrey ihren Kleiderschrank ausmistet? Hach… Naja, ganz so glamourös isses bei mir nicht… ;-)

Wer Anregung sucht, findet die zu einem bei uns auf auf dem Blog und unserem Instagram Profil! Vielleicht findet sich ja noch das ein oder andere Weihnachtsgeschenk ;-)

Außerdem möchten wir Euch folgende Instagram-Profile ans Herz legen, die immer wieder mit neuen supertollen Outfits aufwarten:

Fashion Changers

Justine kept calm and went vegan

Kim goes eko

Green looks great

Und wenn ihr mal so richtig wegtauchen wollt und Fernweh habt, dann schaut mal bei Mia von hey lila hey rein!

von Sonja

Nadine und ich sind seit über 30 Jahren befreundet und sie hat mich mit dem "bösen Vegan-Virus" infiziert ;-) Seit längerem blogge ich nun für TerraVeggia und schiesse viele der Fotos, die ihr hier seht. Ich bin verheiratet, habe 2 zuckersüße Jungs und nebenbei auch noch einen richtigen Job, deshalb bleibt nicht immer viel Zeit. Aber wie heißt es so schön, wenn etwas Spaß macht, schafft man dafür immer Zeit!

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